Theatermaler, Künstler, Erfinder
Mathias Handrick sorgt für den unverwechselbaren Look der Mondpalast-Bühnenbilder
Das Bild einer überdimensionalen rot-karierten Katze hängt in der Werkstatt von Mathias Handrick. Sie gefällt zwar nicht jedem, aber sie ist sein Lieblingsstück – geschaffen von ihm selbst. Genau das macht den Theatermaler aus: „Ich behalte meine Handschrift, aber gebe jedem Bühnenbild eine andere Note.“
Seit sich im Mondpalast 2004 zum ersten Mal der Vorhang hob, gestaltete er alle Bühnenbilder von „Ronaldo und Julia“ bis zur „Flurwoche“. Die Inspirationen erwachsen aus seiner 35-jährigen Berufserfahrung.
Werkstatt zwischen den Welten
Handricks Werkstatt liegt nur einen Steinwurf vom Mondpalast entfernt – auf der anderen Seite der Wilhelmstraße. Inmitten seiner Werke arbeitet der 58-Jährige hier bei Musik von Beethoven bis Hendrix bis zu zwölf Stunden am Tag – allerdings nicht nur für den Mondpalast. So gestaltete er kürzlich Wandbilder eines Wellness Centers in Süd-
deutschland – zudem arbeitet er weiterhin im Ausstellungsbau. Derart erlernte Fertigkeiten helfen ihm auch im Mondpalast. So entwirft und bemalt Handrick die Bühnenbilder nicht nur, sondern baut sie auch weitestgehend allein. Der studierte Designer machte sein Diplom 1970 in Dresden, seiner Heimatstadt. Nach Bochum, wo er heute mit seiner Frau und zwei Söhnen lebt, kam er vor 20 Jahren eigentlich für Messebau und Ausstellungsgestaltung. Doch die Leidenschaft fürs Theater erfasste ihn auch hier: Bei Auftragsarbeiten für die Comödie Bochum entdeckte ihn Mondpalast-Intendant Thomas Rech, nahm ihn mit nach Wanne-Eickel und machte ihn zu einem Teil des „Wir“.Seither ist er verantwortlich für den Look auf der Bühne. Besonders gern erinnert er sich an die Arbeiten zu „Wat ne herrliche Welt“. „Da konnte ich alles in Comic-Art gestalten. Das war lustig.“ Auch Requisiten steuert er gelegentlich bei, wie zum Beispiel Pappmaschee-Köpfe für einen Loriot-Sketch. |
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Von Tipps, Tricks und Tücken
Die Bühne des Mondpalastes birgt dabei Tücken, die Handrick aus seiner Zeit am Nationaltheater in Weimar in den 70er Jahre nicht kannte. „Es gibt hier kaum Stauraum. Nach oben und unten kann man nichts verschwinden lassen.“ Die Kulissen dürfen eine Höhe von fünf Metern nicht überschreiten, da sie mehrfache Auf- und Abbauphasen erdulden müssen. Hunderte versteckte Scharniere machen es möglich, sie durch die Tür und über die Straße zu transportieren, bis sie im Hinterraum der Handrick’schen Werkstatt verstaut
werden.
Das Klimbim der Kulissen
„Zwischen der ersten Lektüre eines Stücks und dem fertigen Bühnenbild liegen etwa drei Monate. Manchmal schraube ich noch am Tag der Premiere an den Kulissen herum“, erzählt der Bühnenbildner. So zum Beispiel am Premierenabend von „Ronaldo und Julia“: „Mir fehlte noch ein einziger Beschlag und ich musste zum Baumarkt. Aber ich kannte mich in Wanne-Eickel nicht aus und habe mich verfahren. Am Ende ging aber alles glatt.“ Um hohe Kosten zu vermeiden, muss der Theatermaler oft erfinderisch sein. So benutzte er für die Briefkästen der „Flurwoche“ umgedrehte Papierspender. In seiner Werkstatt wartet für solche Fälle eine Kiste mit der Aufschrift „Klimbim“ – man weiß ja nie, was man noch alles
erfinden muss.
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