Ein bisschen schräg, ein bisschen verrückt und vor allem frech sollen sie werden – die „Wanne-Eickeler Kammerspielchen“.
WIE KAM’S?
Griechische Säulen wiesen den Weg: Nachdem der letzte Pächter die Räumlichkeiten im Haus des Handwerks an der Gerichtsstraße verlassen hatte, und die Mitarbeiter der Kreishandwerkerschaft im Sommer 2008 aufräumten, fielen ihnen Säulen in die Hände, die zwischen 1980 und 2002 zur Dekoration des griechischen Restaurants „Olympia“ gedient hatten. „Wohin damit?“, fragten sie sich. Antwort: Wir bieten sie dem Mondpalast als Requisite an. Als Christian Stratmann daraufhin den Saal, die geschichtsträchtige Einrichtung, die Leuchter und Fenster sah, wollte er nicht nur die Säulen, sondern gleich ein ganzes Theater. Noch im August 2008 begannen die Verhandlungen. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Herne/Castrop-Rauxel/Wanne-Eickel, Dieter Mrowald, diskutierte lange mit den Innungsmitgliedern, die ihr Traditionshaus erhalten wollten, wusste sie aber dann doch von dem neuen Pächter Christian Stratmann zu überzeugen. Und so kam es, dass ab Dezember die „Wanne-Eickeler Kammerspielchen“ mit einem Mix aus Theater, Show und Musik das traditionsreiche Haus wiederbeleben werden.
WIE WIRD’S?
Ein Raum für Begegnungen: Neben dem Mondpalast mit 500 und dem RevuePalast Ruhr mit 300 Plätzen setzen die Kammerspielchen mit 160 Sitzen auf eine intimere Atmosphäre. Kleinere Produktionen werden ihren Charme ausmachen. Jeden Freitag, Samstag und Sonntag sollen mit einer Handvoll Darstellern neue Formate von Theaterstücken erprobt und eine Bühne für Projekte der Schauspieler eröffnet werden. „Wir können hier neue Formate austesten, die auch in Zukunft den Geschmack der Menschen treffen sollen“, sagt Thomas Rech. Ein Ort also für Ideen, Experimente und Kreativität, dabei aber weit mehr als das Versuchslabor des Mondpalasts.
DIE POTTS(CH)AU – ERNSTHAFT WAHNSINNIG
Die wollen nur spielen: Ein buckliger Moderator und ein blinder Pianist werden in den Kammerspielchen zu Showstars. „Schräg, witzig und ein bisschen bösartig“ soll es in der „Potts(ch)au“ zugehen, verspricht Thomas Rech. Unter dem Oberthema Ruhrgebiet erweckt Friedhelm Christ alias Martin Zaik die großen Samstagabendshows der 1960er Jahre zu neuem Leben. Jörg Siebenhaar, Berufsmusiker und im Mondpalast bekannt durch die Band „Kaiserpark“, comoderiert am Klavier. Die Kandidaten, die am Ende mit kleinen Preisen belohnt werden, stammen aus den Reihen des Publikums, |
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ausgewählt durch das Zufallsprinzip. 2010 soll der Mix aus Spiel- und Talkshow regelmäßig im Wechsel mit „Ronaldo & Julia – die nächste Generation“ die Gäste unterhalten.
UND ZWISCHENDURCH MUSIK
Von Abrocken bis Zitherspiel: Sobald es in den Zeitplan der neuen Ideenwerkstatt passt, sollen Konzerte den wöchentlich dreitägigen Spielplan noch abwechslungsreicher gestalten. So will sich die Mondpalastband „Kaiserpark“ mit ihrer Interpretation großer Rockhits aus 50 Jahren Musikgeschichte als feste Größe der Ruhrgebiets-Musikszene etablieren. Mitglieder der Mondpalastfamilie können auf der kleinen Bühne der Kammerspielchen zudem die Publikumstauglichkeit ihrer Soloprojekte testen. Eine besondere Idee, die dem Intendanten vorschwebt, sind Gastspiele von Musikvereinen aus der Umgebung. Ein Zitherverein soll angesprochen werden, ebenso Bergarbeiter- oder Polizeichöre. Rech sieht in der Kombination dieser Vereine mit der Rockmusik aus den Reihen des Mondpalasts eine vielversprechende Darstellungsform regionaler Musik.
WIE FUNKTIONIERT’S DRUMHERUM?
Zwischen Fahr- und Dachstuhl: Bevor die Akteure in den Kammerspielchen proben und spielen konnten, musste erst einmal malocht werden. So wurde der Saalboden vollständig erneuert und die vorhandene Bühne beseitigt. Die ehemalige Bleiverglasung mit Mosaiken von Handwerksmotiven war beschädigt und musste entfernt werden. An ihrer Stelle befinden sich nun moderne isolierte Fenster. Den Charme der geschichtsträchtigen Dekoration finden die Besucher aber weiterhin im Treppenaufgang und vor der Garderobe. Die Zimmerdecke wurde abgerissen, die Holzabdichtung ausgebessert. Nachdem die Klimatisierung und neue Stromschächte gelegt waren, wurde dort eine Odenwalddecke mit herausnehmbaren Einzelteilen eingehängt. Vom Eingang im Erdgeschoss hinauf zur Bar führt neben einer gewundenen Treppe ein Aufzug ins Theatervergnügen. |